Leseprobe – Ultramarin

Das Licht kommt nicht als Erlösung. Es kommt als Berechnung, als eine kalte, unerbittliche Korrektur der Dunkelheit, die keine Gnade kennt.

Es ist 4:45 Uhr an diesem Mittwoch im März 2026. Ich stehe am Fenster meines Penthouses im zweiundvierzigsten Stock, die Stirn gegen das kalte Glas gelehnt, und warte. Das Glas ist so kühl, dass es den Schmerz meines pochenden Tinnitus fast zu betäuben scheint – diesen hohen, singenden Ton, der seit Monaten mein einziger treuer Begleiter ist. Manhattan liegt unter mir wie ein freigelegtes Nervensystem, stumm und doch unter einer Spannung stehend, die jederzeit alles zerreißen könnte.