Der Schrei

Der Asphalt ist kalt, das spüre ich durch die dünne Sohle meiner Schuhe, obwohl ich hocke. Kalt und feucht. Ich bin hier, mitten in diesem Dreck, und starre in die Ferne. Die Suche, sie geht weiter. Ich weiß nicht, wonach ich suche, aber ich weiß, dass ich es hier nicht finde. Trotzdem bleibe ich.
Der Geruch. Eine Mischung aus altem Fett, nassem Müll und dem süßlichen, beißenden Dunst von Abgasen, die irgendwo in der Ferne stecken bleiben. Es ist ein Geruch, der an der Kehle kratzt, aber er ist ehrlich. Er ist das, was übrig bleibt, wenn die Stadt schläft.
Über mir brüllt die Straßenlaterne ihr kaltes, weißes Licht in den Nebel. Ein hässlicher, greller Fleck, der die Dunkelheit nicht vertreibt, sondern nur schmutzig macht. Dieses Licht beleuchtet den ganzen Scheiß, der sich hier angesammelt hat: Plastikflaschen, zerfetzte Pappen, irgendwelche Fetzen, die mal Kleidung waren. Ein Meer aus Abfall, das bis zu meinen Füßen schwappt. Ich bin mittendrin, und es fühlt sich nicht falsch an.
Links von mir, an der bröckelnden Lehmwand, steht dieser alte Kasten. Sieht aus wie eine ausrangierte Gondel oder ein winziger Imbissstand, rot und rostig, mit einem warmen, gelben Schein im Inneren. Ein kleiner, intimer Glühwurm in dieser kalten Nacht. Ich höre ein leises Zischen von dort, vielleicht kocht jemand Tee, vielleicht brutzelt etwas. Ein Geräusch von Leben, das sich nicht unterkriegen lässt.
Weiter vorn, wo das Licht der Laterne am stärksten ist, sehe ich den Stand. Ein paar Schatten bewegen sich dort, verschwommen in der feuchten Luft. Sie sind auf der Suche, genau wie ich. Oder sie warten. Warten auf den Morgen, warten auf ein Geschäft, warten auf irgendetwas, das diesen Moment bricht.
Mein Blick geht über die Dächer der Buden hinweg, hin zu den Hochhäusern. Die Gittertürme der neuen Stadt. Sie stehen da, kalt und unnahbar, mit ihren hundert leeren Fenstern. Sie sind das Ziel, das Versprechen, das ich nie eingelöst habe. Sie sind die Welt, die ich verlassen habe, um hier zu hocken.
Ich atme tief ein. Der kalte, feuchte Dunst füllt meine Lungen. Es ist eine Art Frieden, dieser Moment. Eine stille Magie in der Isolation. Ich bin allein, aber nicht einsam. Ich bin auf der Suche, und in diesem Moment des Stillstands, in diesem Dreck, fühlt es sich an, als wäre ich dem, was ich suche, am nächsten. Es ist nicht die Antwort, die ich finde, sondern die Frage selbst. Und das ist schon was. Ich bleibe noch eine Weile. Der Arsch wird taub, aber das ist egal. Ich warte. Vielleicht kommt die Antwort ja doch noch um die Ecke. Oder ein Hund. Ist auch in Ordnung.