Mit Claire

Mit Claire

Ich stehe hier, die Füße auf dem rauen Asphalt, der noch die letzte Wärme des Tages speichert. Es ist diese blaue Stunde, in der das Licht stirbt, aber die Welt noch nicht ganz schläft. Ich bin oft allein unterwegs, das ist meine Art, die Dinge zu sehen, ohne Filter….

mehr lesen…
Moguéran

Moguéran

Ich sitze hier. Der Stuhl ist hart, das Tischtuch blendend weiß. Ein absurder Kontrast zu dem, was drumherum passiert. Die Sonne, dieser orangefarbene Klotz, versinkt gerade im Meer, zieht das ganze Wasser mit sich in diesen irren, goldenen Sog. Es ist lautlos, aber ich spüre das Ziehen in der Brust.

mehr lesen…
Roter Faden auf grauem Asphalt

Roter Faden auf grauem Asphalt

Ich stehe. Muss ich sagen. Die Füße sind schwer, der Asphalt zieht die Kälte hoch. Es ist diese Art von Licht, die alles grau macht, selbst das bisschen Hoffnung, das man noch im Sack hat. Ein Himmel wie nasses Tuch.

mehr lesen…
Die Stadt der Totengräber

Die Stadt der Totengräber

Ich bin wieder unterwegs. Muss ich ja. Die Straße hier, die ist aus altem, nassem Pflasterstein. Sie glänzt schwarz, schluckt das wenige Licht, das durch diesen dicken, grauen Himmel sickert. Es ist nicht viel Regen, eher so ein feiner, kalter Sprühnebel, der sich überall festsetzt. Ich ziehe den Kragen meines Mantels hoch, obwohl es eh nichts bringt. Der Stoff ist schon durch, saugt die Feuchtigkeit auf wie ein alter Schwamm.

mehr lesen…
Der Morgen danach

Der Morgen danach

Der Wind ist kalt, aber die Sonne brennt. Ein typischer Morgen hier, denke ich. Ich sitze am kleinen, runden Korbtisch, der noch nass vom Morgentau ist. Die Gabel liegt neben der Serviette, unberührt. Ich bin zu früh, wie immer. Beobachter. Das ist mein Job, mein Fluch.

mehr lesen…
Wasserkocher

Wasserkocher

Er steht in der Küche und wartet, dass das Wasser kocht. Der Wasserkocher klingt, als nehme er die Sache persönlicher als nötig. Auf der Arbeitsplatte liegt eine halbierte Zitrone, eingetrocknet am Rand, daneben eine Tasse mit einem Sprung im Henkel, den man nur sieht, wenn das Licht schräg reinfällt. Draußen fährt ein Bus vorbei. Irgendwo im Haus lässt jemand etwas fallen. Es ist alles klein, alles gewöhnlich, alles so unerquicklich normal, dass es beinahe beleidigend wirkt.

mehr lesen…
Mit Claire nach Saint-Malo

Mit Claire nach Saint-Malo

Der Motor schnurrt leise, ein tiefes, gleichmäßiges Brummen, das mich seit Stunden begleitet. Ich sehe ihre Füße. Sie liegen da, auf dem Armaturenbrett, nackt, die Zehen leicht gespreizt, der Nagellack ein sattes, fast unverschämtes Kirschrot. Ein kleiner, goldener…

mehr lesen…
Ebbe und das letzte Licht

Ebbe und das letzte Licht

Ich stehe hier, wo das Wasser sich zurückgezogen hat, und sehe zu, wie der Tag stirbt. Es ist diese Stunde, in der die Farben lügen. Der Himmel brennt in Orange und Rosa, ein kitschiges Spektakel, das man trotzdem nicht ignorieren kann. Ich atme tief ein. Der Geruch…

mehr lesen…
Im Le Petit Rien

Im Le Petit Rien

Ich sitze auf der Bank, das dunkle Holz knarrt leise unter meinem Gewicht. Es riecht nach altem Bier, feuchtem Holz und einem Hauch von Gewürzen, vielleicht Zimt, der sich hartnäckig in den Ritzen der Dielen festgesetzt hat. Draußen ist es hell, aber das Licht schafft es kaum, die Schwere dieses Raumes zu durchbrechen. Es fällt in breiten, staubigen Streifen durch die Sprossenfenster links, trifft auf den polierten Tresen und stirbt dort. Ein paar Flaschen im Regal fangen das Licht ein, werfen bunte, verzerrte Flecken an die dunkle Holzwand. Grün, Bernstein, ein tiefes Rot. Das sind meine Farben.

mehr lesen…
Salz auf der Zunge

Salz auf der Zunge

Der Himmel ist ein einziger, grauer Klumpen. Er hängt tief, so tief, dass ich ihn fast schmecke, dieses metallische, nasse Versprechen von mehr Regen. Ich stehe hier, auf diesem nassen, glitschigen Beton, der ins Meer abfällt. Eine alte Slipanlage, mehr ist das nicht. Der Wind zieht durch die Klamotten, kalt und salzig. Das ist das Erste, was ich rieche: Salz und Moder, das stinkt nach Ebbe und nach dem, was das Meer nicht mehr will.
Ich schaue rüber zu den Häusern. Weiß getüncht, mit diesen dunklen Dächern, kleben sie da drüben am Kai, kauern unter dem Kirchturm. Sie sehen aus, als hätten sie schon tausend Stürme überlebt. Und ich? Ich stehe hier und warte. Auf was, weiß ich nicht genau. Die Suche, sagen sie, ist das Ziel. Ein blöder Spruch, aber heute fühlt er sich wahr an. Ich suche nicht nach einem Schatz oder einer verlorenen Liebe. Ich suche nach einem Anker.
Das Wasser ist dunkel, fast schwarz, nur die kleinen Wellen, die gegen den Beton schlagen, sind silbern. Es rauscht leise, ein monotones, dumpfes Geräusch, das alles andere schluckt. Kein Schreien, kein Lachen. Nur das Meer.
Plötzlich, da drüben, im seichten Wasser: Der Hund. Ein brauner Wirbel, der rennt, die Beine hochgerissen, als würde er über das Wasser fliegen. Er jagt irgendwas, einen Fisch, einen Schatten, oder einfach nur die pure Bewegung. Er ist völlig in seinem Moment, frei von diesem ganzen grauen Gewicht, das auf mir lastet. Er spritzt das Wasser auf, ein kleiner, goldener Funke in dieser Melancholie.
Ich sehe ihm nach. Er sucht auch. Aber seine Suche ist einfach, körperlich. Meine ist so verdammt kompliziert, so kopflastig. Ich spüre die Kälte jetzt in den Knochen, nicht nur auf der Haut. Ein dumpfes Ziehen im Bauch. Hunger? Oder einfach nur die Leere, die ich mit mir rumtrage?
Ich atme tief ein. Der Geruch von Jod und nassem Stein füllt meine Lungen. Ich bin hier. Das ist alles, was zählt. Ich bin nicht weiter, aber auch nicht zurück. Ich stehe fest auf diesem nassen, kalten Beton. Der Hund ist jetzt fast am Ufer, schüttelt sich kurz und rennt weiter, verschwindet hinter einem Felsen.
Ich bleibe stehen. Die Suche geht weiter. Aber vielleicht, denke ich, vielleicht muss ich nicht so schnell rennen wie der Hund. Vielleicht reicht es, einfach nur zu gehen. Langsam. Schritt für Schritt. Und zu warten, bis der Himmel endlich aufreißt. Oder bis der Regen kommt. Ist mir auch egal. Hauptsache, es passiert was. Jetzt erst mal ’ne Kippe. Das ist der Plan. Der Einzige, der gerade zählt.

mehr lesen…