Montmartre, ein Dienstagabend

Montmartre, ein Dienstagabend

Der Regen hat gerade aufgehört. Ich stehe hier, am Rand dieses schmalen Pflasters, und sehe zu, wie das Licht die Straße aufsaugt. Es ist dieses schmutzige, goldene Leuchten, das nur alte Pariser Cafés hinkriegen. Ein warmer, fast schon unverschämter Schein, der sich...

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Der Leviathan träumt in Ziegelstaub

Der Leviathan träumt in Ziegelstaub

Die Luft schmeckt nach Kupfersulfat und verbranntem Haar. Ich stehe in der Geometrie des Zusammenbruchs, wo die Straße nicht mehr Straße ist, sondern eine Wunde, die sich durch das Fleisch der Stadt frisst. Der Nebel hängt wie geronnenes Licht zwischen den Ruinen, eine milchige Suspension aus Staub und Zeit, und ich atme ihn ein, spüre, wie er sich an meinen Alveolen festsetzt, kleine Kristalle des Verfalls, die in meinem Blut zu zirkulieren beginnen.

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Der Abgrund im Bokeh

Der Abgrund im Bokeh

Es ist die unerbittliche, warme Täuschung dieser Lichter, die mich in die unendliche Weite des Nichts zurückwirft, ein Nichts, das nicht die Abwesenheit von allem ist, sondern die schreckliche Gewissheit, dass alles Seiende, einschließlich dieses zitternden Ichs, nur eine flüchtige, zufällige Ansammlung von Atomen ist, die sich weigert, ihre eigene Absurdität anzuerkennen.

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Der Schrei

Der Schrei

Der Asphalt ist kalt, das spüre ich durch die dünne Sohle meiner Schuhe, obwohl ich hocke. Kalt und feucht. Ich bin hier, mitten in diesem Dreck, und starre in die Ferne. Die Suche, sie geht weiter. Ich weiß nicht, wonach ich suche, aber ich weiß, dass ich es hier nicht finde. Trotzdem bleibe ich.

Der Geruch. Eine Mischung aus altem Fett, nassem Müll und dem süßlichen, beißenden Dunst von Abgasen, die irgendwo in der Ferne stecken bleiben. Es ist ein Geruch, der an der Kehle kratzt, aber er ist ehrlich. Er ist das, was übrig bleibt, wenn die Stadt schläft.

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Der Morgen danach

Der Morgen danach

Der Wind ist kalt, aber die Sonne brennt. Ein typischer Morgen hier, denke ich. Ich sitze am kleinen, runden Korbtisch, der noch nass vom Morgentau ist. Die Gabel liegt neben der Serviette, unberührt. Ich bin zu früh, wie immer. Beobachter. Das ist mein Job, mein Fluch.

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Der Ereignishorizont der Straßenlaternen

Der Ereignishorizont der Straßenlaternen

Das Licht schmeckt nach Kupfersulfat und verbranntem Silizium. Ich stehe hier, wo die Straße ihre Geometrie verliert, wo der Asphalt aufhört, fest zu sein, und anfängt zu atmen – langsam, rhythmisch, wie ein Organismus in Narkose. Die Laternen über mir sind keine Lichtquellen mehr, sie sind Fisteln im Fleisch des Himmels, durch die etwas Radioaktives sickert, etwas, das früher vielleicht Hoffnung war, bevor es die kritische Masse erreichte und zu dieser orangefarbenen Malignität mutierte.

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Die Bucht des Ertrunkenen Lichts

Die Bucht des Ertrunkenen Lichts

Die Hoffnung schmeckte nach Rost und abgestandenem Öl, ein metallischer Film, der sich über die Zunge legte, wann immer der Blick über die Bucht glitt. Es war die Stunde, in der die Sonne, ein geschwollenes, gelbes Auge am Horizont, ihren letzten, toxischen Atem über die Szenerie hauchte. Das Licht war kein Versprechen mehr, sondern eine Warnung, ein goldener Schimmer, der nur dazu diente, die Ungeheuerlichkeit des Verfalls zu beleuchten.

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Mit Claire im le petit-rien

Mit Claire im le petit-rien

Der Geruch von altem Holz und abgestandenem Bier klebt in der Luft, ein schwerer, ehrlicher Duft, der sich in die Dielen gefressen hat. Ich stehe hier, die Hände auf dem rauen Tresen, und starre in das gleißende Nichts am Ende des Raumes. Es ist das „Le Petit Rien“,...

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Salz auf der Zunge

Salz auf der Zunge

Der Himmel ist ein einziger, grauer Klumpen. Er hängt tief, so tief, dass ich ihn fast schmecke, dieses metallische, nasse Versprechen von mehr Regen. Ich stehe hier, auf diesem nassen, glitschigen Beton, der ins Meer abfällt. Eine alte Slipanlage, mehr ist das nicht. Der Wind zieht durch die Klamotten, kalt und salzig. Das ist das Erste, was ich rieche: Salz und Moder, das stinkt nach Ebbe und nach dem, was das Meer nicht mehr will.
Ich schaue rüber zu den Häusern. Weiß getüncht, mit diesen dunklen Dächern, kleben sie da drüben am Kai, kauern unter dem Kirchturm. Sie sehen aus, als hätten sie schon tausend Stürme überlebt. Und ich? Ich stehe hier und warte. Auf was, weiß ich nicht genau. Die Suche, sagen sie, ist das Ziel. Ein blöder Spruch, aber heute fühlt er sich wahr an. Ich suche nicht nach einem Schatz oder einer verlorenen Liebe. Ich suche nach einem Anker.
Das Wasser ist dunkel, fast schwarz, nur die kleinen Wellen, die gegen den Beton schlagen, sind silbern. Es rauscht leise, ein monotones, dumpfes Geräusch, das alles andere schluckt. Kein Schreien, kein Lachen. Nur das Meer.
Plötzlich, da drüben, im seichten Wasser: Der Hund. Ein brauner Wirbel, der rennt, die Beine hochgerissen, als würde er über das Wasser fliegen. Er jagt irgendwas, einen Fisch, einen Schatten, oder einfach nur die pure Bewegung. Er ist völlig in seinem Moment, frei von diesem ganzen grauen Gewicht, das auf mir lastet. Er spritzt das Wasser auf, ein kleiner, goldener Funke in dieser Melancholie.
Ich sehe ihm nach. Er sucht auch. Aber seine Suche ist einfach, körperlich. Meine ist so verdammt kompliziert, so kopflastig. Ich spüre die Kälte jetzt in den Knochen, nicht nur auf der Haut. Ein dumpfes Ziehen im Bauch. Hunger? Oder einfach nur die Leere, die ich mit mir rumtrage?
Ich atme tief ein. Der Geruch von Jod und nassem Stein füllt meine Lungen. Ich bin hier. Das ist alles, was zählt. Ich bin nicht weiter, aber auch nicht zurück. Ich stehe fest auf diesem nassen, kalten Beton. Der Hund ist jetzt fast am Ufer, schüttelt sich kurz und rennt weiter, verschwindet hinter einem Felsen.
Ich bleibe stehen. Die Suche geht weiter. Aber vielleicht, denke ich, vielleicht muss ich nicht so schnell rennen wie der Hund. Vielleicht reicht es, einfach nur zu gehen. Langsam. Schritt für Schritt. Und zu warten, bis der Himmel endlich aufreißt. Oder bis der Regen kommt. Ist mir auch egal. Hauptsache, es passiert was. Jetzt erst mal ’ne Kippe. Das ist der Plan. Der Einzige, der gerade zählt.

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Roter Faden auf grauem Asphalt

Roter Faden auf grauem Asphalt

Ich stehe. Muss ich sagen. Die Füße sind schwer, der Asphalt zieht die Kälte hoch. Es ist diese Art von Licht, die alles grau macht, selbst das bisschen Hoffnung, das man noch im Sack hat. Ein Himmel wie nasses Tuch.

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