Im Le Petit Rien
Ich sitze auf der Bank, das dunkle Holz knarrt leise unter meinem Gewicht. Es riecht nach altem Bier, feuchtem Holz und einem Hauch von Gewürzen, vielleicht Zimt, der sich hartnäckig in den Ritzen der Dielen festgesetzt hat. Draußen ist es hell, aber das Licht schafft es kaum, die Schwere dieses Raumes zu durchbrechen. Es fällt in breiten, staubigen Streifen durch die Sprossenfenster links, trifft auf den polierten Tresen und stirbt dort. Ein paar Flaschen im Regal fangen das Licht ein, werfen bunte, verzerrte Flecken an die dunkle Holzwand. Grün, Bernstein, ein tiefes Rot. Das sind meine Farben.
Die Stadt der Totengräber
Ich bin wieder unterwegs. Muss ich ja. Die Straße hier, die ist aus altem, nassem Pflasterstein. Sie glänzt schwarz, schluckt das wenige Licht, das durch diesen dicken, grauen Himmel sickert. Es ist nicht viel Regen, eher so ein feiner, kalter Sprühnebel, der sich überall festsetzt. Ich ziehe den Kragen meines Mantels hoch, obwohl es eh nichts bringt. Der Stoff ist schon durch, saugt die Feuchtigkeit auf wie ein alter Schwamm.
Stadt-ein-Kadaver-in-Neon
Der Asphalt glänzt nasskalt unter meinen Füßen, ein schwarzer Spiegel für das sterbende Licht des Tages. Die Luft schmeckt nach feuchter Erde und dem fernen, metallischen Geruch der Stadt – eine Mischung aus Regen und Rost. Ich stehe mitten auf der Straße, als wäre sie nur für mich gemacht. Ein seltsames Gefühl. Die Laternen werfen lange, orangefarbene Arme aus, die sich auf dem Boden winden wie hungrige Schlangen. Sie zischen leise, ein kaum hörbares Summen, das sich mit dem fernen Rauschen des Verkehrs vermischt.
Wasserkocher
Er steht in der Küche und wartet, dass das Wasser kocht. Der Wasserkocher klingt, als nehme er die Sache persönlicher als nötig. Auf der Arbeitsplatte liegt eine halbierte Zitrone, eingetrocknet am Rand, daneben eine Tasse mit einem Sprung im Henkel, den man nur sieht, wenn das Licht schräg reinfällt. Draußen fährt ein Bus vorbei. Irgendwo im Haus lässt jemand etwas fallen. Es ist alles klein, alles gewöhnlich, alles so unerquicklich normal, dass es beinahe beleidigend wirkt.
Mit Claire
Ich stehe hier, die Füße auf dem rauen Asphalt, der noch die letzte Wärme des Tages speichert. Es ist diese blaue Stunde, in der das Licht stirbt, aber die Welt noch nicht ganz schläft. Ich bin oft allein unterwegs, das ist meine Art, die Dinge zu sehen, ohne Filter….
Der Morgen danach
Der Wind ist kalt, aber die Sonne brennt. Ein typischer Morgen hier, denke ich. Ich sitze am kleinen, runden Korbtisch, der noch nass vom Morgentau ist. Die Gabel liegt neben der Serviette, unberührt. Ich bin zu früh, wie immer. Beobachter. Das ist mein Job, mein Fluch.
Ebbe und das letzte Licht
Ich stehe hier, wo das Wasser sich zurückgezogen hat, und sehe zu, wie der Tag stirbt. Es ist diese Stunde, in der die Farben lügen. Der Himmel brennt in Orange und Rosa, ein kitschiges Spektakel, das man trotzdem nicht ignorieren kann. Ich atme tief ein. Der Geruch…
Nach dem Sturm
Der Wind ist noch scharf, er beißt in die Haut, aber er ist sauber. Kein Salz mehr, nur diese kühle, nasse Luft, die nach aufgewühltem Schlick und frisch gewaschenem Stein riecht. Ich stehe hier, die Füße fest auf dem feuchten Pflaster, und starre auf das Wasser. Es ist dunkel, fast schwarz, und doch glänzt es, als hätte jemand Öl hineingegossen.
Moguéran
Ich sitze hier. Der Stuhl ist hart, das Tischtuch blendend weiß. Ein absurder Kontrast zu dem, was drumherum passiert. Die Sonne, dieser orangefarbene Klotz, versinkt gerade im Meer, zieht das ganze Wasser mit sich in diesen irren, goldenen Sog. Es ist lautlos, aber ich spüre das Ziehen in der Brust.
Der Ereignishorizont der Asphalt-Entropie
Das Licht, das mich umgab, war kein Licht der Hoffnung, sondern ein toxisch-oranges Leuchten, das schmeckte wie eine Mischung aus verbranntem Kupfer und der Säure, die sich im Magen eines Sterbenden ansammelt. Es war das Licht, das aus dem Ereignishorizont des Himmels kroch, wo die Sonne, ein vergessener Gott, nur noch eine riesige, krebsartige Wunde war, die sich über die kybernetischen Narben der Skyline ausbreitete. Die Luft war kein Medium zum Atmen, sondern eine zähe, ölige Suspension, die sich wie eine zweite, schwere Haut auf meine Netzhaut legte und das Geräusch der Stille in ein tiefes, resonantes Dröhnen verwandelte, das in den Fraktalen meiner Knochen nachhallte.









