Ebbe und das letzte Licht
Ich stehe hier, wo das Wasser sich zurückgezogen hat, und sehe zu, wie der Tag stirbt. Es ist diese Stunde, in der die Farben lügen. Der Himmel brennt in Orange und Rosa, ein kitschiges Spektakel, das man trotzdem nicht ignorieren kann. Ich atme tief ein. Der Geruch…
Der Schrei
Der Asphalt ist kalt, das spüre ich durch die dünne Sohle meiner Schuhe, obwohl ich hocke. Kalt und feucht. Ich bin hier, mitten in diesem Dreck, und starre in die Ferne. Die Suche, sie geht weiter. Ich weiß nicht, wonach ich suche, aber ich weiß, dass ich es hier nicht finde. Trotzdem bleibe ich.
Der Geruch. Eine Mischung aus altem Fett, nassem Müll und dem süßlichen, beißenden Dunst von Abgasen, die irgendwo in der Ferne stecken bleiben. Es ist ein Geruch, der an der Kehle kratzt, aber er ist ehrlich. Er ist das, was übrig bleibt, wenn die Stadt schläft.
Moguéran
Ich sitze hier. Der Stuhl ist hart, das Tischtuch blendend weiß. Ein absurder Kontrast zu dem, was drumherum passiert. Die Sonne, dieser orangefarbene Klotz, versinkt gerade im Meer, zieht das ganze Wasser mit sich in diesen irren, goldenen Sog. Es ist lautlos, aber ich spüre das Ziehen in der Brust.
Pochen
Die Luft liegt wie geronnenes Fett auf meiner Haut. Ich gehe, aber ich bewege mich nicht – die Stadt bewegt sich durch mich hindurch, ein träger Organismus aus zerbrochenem Beton und oxidiertem Stahl, der mich verdaut, während ich seine Arterien durchquere. Der Himmel über mir ist keine Metapher mehr. Er ist eine chemische Gleichung, die nicht aufgeht: Kupfersulfat plus Schwefeldioxid ergibt dieses schmutzige Bernstein, dieses Licht, das nach altem Blut und verbranntem Plastik schmeckt.
Nach dem Sturm
Der Wind ist noch scharf, er beißt in die Haut, aber er ist sauber. Kein Salz mehr, nur diese kühle, nasse Luft, die nach aufgewühltem Schlick und frisch gewaschenem Stein riecht. Ich stehe hier, die Füße fest auf dem feuchten Pflaster, und starre auf das Wasser. Es ist dunkel, fast schwarz, und doch glänzt es, als hätte jemand Öl hineingegossen.
Mit Claire im le petit-rien
Der Geruch von altem Holz und abgestandenem Bier klebt in der Luft, ein schwerer, ehrlicher Duft, der sich in die Dielen gefressen hat. Ich stehe hier, die Hände auf dem rauen Tresen, und starre in das gleißende Nichts am Ende des Raumes. Es ist das „Le Petit Rien“,…
Marie ist wieder da
Der Stein ist kalt. Das ist das Erste, was ich denke, als ich meine Hand auf den Rand des Brunnens lege. Die Feuchtigkeit kriecht sofort in die Fingerspitzen, eine ehrliche, raue Kälte, die nichts beschönigt. Ich stehe hier, mitten auf diesem Kopfsteinpflaster, das…
Wasserkocher
Er steht in der Küche und wartet, dass das Wasser kocht. Der Wasserkocher klingt, als nehme er die Sache persönlicher als nötig. Auf der Arbeitsplatte liegt eine halbierte Zitrone, eingetrocknet am Rand, daneben eine Tasse mit einem Sprung im Henkel, den man nur sieht, wenn das Licht schräg reinfällt. Draußen fährt ein Bus vorbei. Irgendwo im Haus lässt jemand etwas fallen. Es ist alles klein, alles gewöhnlich, alles so unerquicklich normal, dass es beinahe beleidigend wirkt.
Die Stadt der Totengräber
Ich bin wieder unterwegs. Muss ich ja. Die Straße hier, die ist aus altem, nassem Pflasterstein. Sie glänzt schwarz, schluckt das wenige Licht, das durch diesen dicken, grauen Himmel sickert. Es ist nicht viel Regen, eher so ein feiner, kalter Sprühnebel, der sich überall festsetzt. Ich ziehe den Kragen meines Mantels hoch, obwohl es eh nichts bringt. Der Stoff ist schon durch, saugt die Feuchtigkeit auf wie ein alter Schwamm.
Montmartre-am-Morgen
Der Rahmen des Fensters ist kühl, rau unter meinen Fingerspitzen. Ich lehne mich nicht an, nur ein leichtes Berühren, eine Verankerung. Es ist noch früh, die Luft schmeckt nach feuchtem Stein und dem ersten, zaghaften Rauch aus den Schornsteinen der Dächer unter mir….









