Roter Faden auf grauem Asphalt
Ich stehe. Muss ich sagen. Die Füße sind schwer, der Asphalt zieht die Kälte hoch. Es ist diese Art von Licht, die alles grau macht, selbst das bisschen Hoffnung, das man noch im Sack hat. Ein Himmel wie nasses Tuch.
Nachtmarkt
Ich bin kein Körper mehr, nur eine stehende Verdichtung aus Kälte, ein Knoten aus Atem, der vergessen hat, wozu Lungen einst erfunden wurden, und die Straße unter mir ist kein Boden, sondern eine klaffende Haut, rissig, feucht, durchzogen von flackernden Narben aus Licht, die sich mir einbrennen wie fremde Erinnerungen, die nie die meinen waren.
Wo das Wasser endet
Der Regen ist ein Arschloch. Er trommelt auf meinen Schädel, als wollte er mir den letzten klaren Gedanken aus dem Hirn prügeln. Jeder Tropfen ein kleiner, kalter Schlag. Die Straße ist kein Asphalt mehr, sondern ein träger, schlammiger Fluss, der alles verschluckt. Meine Schuhe sind längst durchnässt, ein unangenehmes, schwammiges Gefühl bei jedem Schritt. Scheißegal.
I
Ebbe und das letzte Licht
Ich stehe hier, wo das Wasser sich zurückgezogen hat, und sehe zu, wie der Tag stirbt. Es ist diese Stunde, in der die Farben lügen. Der Himmel brennt in Orange und Rosa, ein kitschiges Spektakel, das man trotzdem nicht ignorieren kann. Ich atme tief ein. Der Geruch...
Der Morgen begann nicht, er stürzte ein.
Als Paul die Augen öffnete, war das Zimmer schon gegen ihn. Das Licht, das durch die Gardine sickerte, hatte die Farbe von abgestandenem Spülwasser, und irgendwo in der Wand tickte etwas, das keine Uhr war. Sein Wecker lag auf dem Boden, verstummt wie ein erschossenes Tier. 7:43. Er hätte um sieben im Büro sein müssen. Natürlich. Der Tag hatte also bereits eine Leiche.




