Wo das Wasser endet
Der Regen ist ein Arschloch. Er trommelt auf meinen Schädel, als wollte er mir den letzten klaren Gedanken aus dem Hirn prügeln. Jeder Tropfen ein kleiner, kalter Schlag. Die Straße ist kein Asphalt mehr, sondern ein träger, schlammiger Fluss, der alles verschluckt. Meine Schuhe sind längst durchnässt, ein unangenehmes, schwammiges Gefühl bei jedem Schritt. Scheißegal.
I
Die Stadt der Totengräber
Ich bin wieder unterwegs. Muss ich ja. Die Straße hier, die ist aus altem, nassem Pflasterstein. Sie glänzt schwarz, schluckt das wenige Licht, das durch diesen dicken, grauen Himmel sickert. Es ist nicht viel Regen, eher so ein feiner, kalter Sprühnebel, der sich überall festsetzt. Ich ziehe den Kragen meines Mantels hoch, obwohl es eh nichts bringt. Der Stoff ist schon durch, saugt die Feuchtigkeit auf wie ein alter Schwamm.
Das Licht am Ende der Gasse
Ich hocke hier unten, die Knie tun weh. Scheißegal. Die Welt ist gerade nur dieser nasse, kalte Steinboden und die Blätter. Ein großes, braunes Ding klebt direkt vor meiner Nase, feucht und modrig. Ich atme tief ein. Das ist der Geruch von Herbst, von altem Laub und dem bisschen Abgas, das die Sonne noch nicht weggebrannt hat. Es riecht nach Ende und nach Anfang zugleich.
Pflaster und Regen
Ich stehe hier, wo das Pflaster nass ist und die Welt nur noch aus Grau besteht. Der Regen schlägt hart auf die Steine, ein Geräusch, das sonst niemand hört. Das ist gut. Es ist mein Geräusch. Ich bin oft allein unterwegs, und diese Orte, diese stillen, feuchten…
Marie geht
Der Himmel ist ein einziger, schwerer, dunkelgrauer Mantel, der über diesem Hafen hängt. Er drückt die Luft zusammen, macht sie salzig und kalt. Ich stehe hier, an der Kante des Kais, und sehe zu, wie sie geht. Jeder Schritt von ihr auf dem nassen, moosbewachsenen…
Mit Claire im le petit-rien
Der Geruch von altem Holz und abgestandenem Bier klebt in der Luft, ein schwerer, ehrlicher Duft, der sich in die Dielen gefressen hat. Ich stehe hier, die Hände auf dem rauen Tresen, und starre in das gleißende Nichts am Ende des Raumes. Es ist das „Le Petit Rien“,…
Der Leviathan träumt in Ziegelstaub
Die Luft schmeckt nach Kupfersulfat und verbranntem Haar. Ich stehe in der Geometrie des Zusammenbruchs, wo die Straße nicht mehr Straße ist, sondern eine Wunde, die sich durch das Fleisch der Stadt frisst. Der Nebel hängt wie geronnenes Licht zwischen den Ruinen, eine milchige Suspension aus Staub und Zeit, und ich atme ihn ein, spüre, wie er sich an meinen Alveolen festsetzt, kleine Kristalle des Verfalls, die in meinem Blut zu zirkulieren beginnen.
Der Morgen begann nicht, er stürzte ein.
Als Paul die Augen öffnete, war das Zimmer schon gegen ihn. Das Licht, das durch die Gardine sickerte, hatte die Farbe von abgestandenem Spülwasser, und irgendwo in der Wand tickte etwas, das keine Uhr war. Sein Wecker lag auf dem Boden, verstummt wie ein erschossenes Tier. 7:43. Er hätte um sieben im Büro sein müssen. Natürlich. Der Tag hatte also bereits eine Leiche.
Moguéran
Ich sitze hier. Der Stuhl ist hart, das Tischtuch blendend weiß. Ein absurder Kontrast zu dem, was drumherum passiert. Die Sonne, dieser orangefarbene Klotz, versinkt gerade im Meer, zieht das ganze Wasser mit sich in diesen irren, goldenen Sog. Es ist lautlos, aber ich spüre das Ziehen in der Brust.
Im Le Petit Rien
Ich sitze auf der Bank, das dunkle Holz knarrt leise unter meinem Gewicht. Es riecht nach altem Bier, feuchtem Holz und einem Hauch von Gewürzen, vielleicht Zimt, der sich hartnäckig in den Ritzen der Dielen festgesetzt hat. Draußen ist es hell, aber das Licht schafft es kaum, die Schwere dieses Raumes zu durchbrechen. Es fällt in breiten, staubigen Streifen durch die Sprossenfenster links, trifft auf den polierten Tresen und stirbt dort. Ein paar Flaschen im Regal fangen das Licht ein, werfen bunte, verzerrte Flecken an die dunkle Holzwand. Grün, Bernstein, ein tiefes Rot. Das sind meine Farben.









